Benutzerspezifische Werkzeuge

Computer-Supported Cooperative Work (CSCW)

Unter Computer-Supported Collaborative Work (CSCW) versteht man das Forschungsgebiet, das sich mit dem Verstehen der sozialen Interaktion in Teams, Communities und Netzwerken beschäftigt und darüber hinaus mit dem Entwurf, der Entwicklung, der Einführung und der Evaluation von technischen Systemen, um die soziale Interaktion zu unterstützen.

Konkrete Definitionen für den Begriff CSCW gibt es viele. Dabei haben Bowers und Benford (1991, S. 5, übersetzt) wohl die breiteste Sicht: “Allgemein formuliert untersucht CSCW die Möglichkeiten und Auswirkungen der technologischen Unterstützung von Menschen, die in Gruppen und über Arbeitsprozesse hinweg zusammenarbeiten und kommunizieren.“ 

Andere Forscher betonen den Aspekt der Gruppenarbeit oder Gruppenaktivität in CSCW. So ist für Wilson (1991, übersetzt) CSCW “ein generischer Begriff, der das Verständnis wie Menschen in Gruppen zusammenarbeiten, mit den Technologien zur Vernetzung und der damit verbundenen Hardware, Software, den Dienstleistungen und Techniken, verbindet“. 

Die Wurzeln von CSCW als Forschungsgebiet können in die frühen 1980er zurückverfolgt werden. Der Begriff CSCW wurde zuerst als Name für einen Workshop genutzt, der von Irene Greif und Paul Cashman organisiert wurde. Der Workshop fand im Jahr 1984 statt und brachte Teilnehmer aus unterschiedlichen Forschungsdisziplinen zusammen, um Ideen und Arbeitsergebnisse zur Unterstützung von Zusammenarbeit mittels Computern auszutauschen. 

Seit damals wurden im Bereich CSCW verschiedenste Technologien und Werkzeuge entwickelt und getestet. Genauso wurden aber auch grundlegende Beiträge zum Verständnis der Kommunikation und Kooperation und zum Prozess der Einführung von Kommunikations- und Kooperationswerkzeugen geleistet. 

Ein Ergebnis der Arbeiten in CSCW ist beispielsweise die Charakterisierung der Natur von sozialer Interaktion in Gruppen. In diesem Kontext werden in der CSCW-Literatur meist die folgenden fünf Formen der sozialen Interaktion zwischen Individuen in Gruppen unterschieden: Koexistenz, Kommunikation, Koordination, Konsens und Kollaboration (siehe z.B. Koch & Gross 2006): Koexistenz ist die Grundvoraussetzung für Zusammenarbeit. Koordination ist notwendig wenn es zwischen den Aktivitäten verschiedener Personen Abhängigkeiten gibt (Malone & Crowston 1992). Kommunikation erlaubt es Absprachen zu treffen, Ideen auszutauschen und Information weiterzugeben. Unter Konsens versteht man das Treffen von Entscheidungen in Gruppen. Kollaboration stellt schließlich den eigentlichen Akt der Zusammenarbeit dar, z.B. das gemeinsame Manipulieren geteilter Ressourcen. Während Kommunikation direkt (die Empfänger der Nachricht sind zum Zeitpunkt des Absendens bekannt) oder indirekt (die Empfänger der Nachricht stehen zum Zeitpunkt des Absendens noch nicht fest) erfolgen kann, ist effektive Kooperation nur möglich, wenn mehrere Personen sich explizit für die Zugriffe auf gemeinsame Artefakte koordinieren (und auch ihrer Koexistenz bewusst sind). 

Die CSCW-Forschung hat diese Erkenntnisse für die Gestaltung von Systemen zur Unterstützung von Zusammenarbeit nutzbar gemacht. Die wichtigsten Einsichten aus der Diskussion sozio-technischer Systeme für CSCW sind zusammengefasst: 

  • Technische Systeme und soziale Systeme sind untrennbar miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb sollten soziale und technische Subsysteme gemeinsam betrachtet (gestaltet, eingeführt und optimiert) werden. – siehe hierzu auch Kooperationssysteme
  • Das Ziel des Gesamtsystems sollte dabei im Vordergrund stehen – es ist normalerweise die Hauptquelle für den Zusammenhalt des Systems. 
  • Durch die Abhängigkeiten sind die sozio-technischen Systeme sehr komplex, was bei der Gestaltung berücksichtigt werden sollte, z.B. dadurch, dass nicht angenommen wird, dass man im ersten Versuch eine passende Lösung erhalten kann. 

Die sozio-technische Betrachtungsweise zeigt also vor allem die Abhängigkeit zwischen sozialen und technischen Systemen auf. Soziale Prozesse und organisatorische Rahmenbedingungen sind die Basis für die Entwicklung von Technologie und umgekehrt strukturiert die Technologie die Möglichkeiten für den sozialen Austausch (Mumford 2000). 

Das Forschungsgebiet CSCW ist international in den Konferenzreihen ACM CSCW und E-CSCW sowie Communities & Technologies und ACM CHI repräsentiert. In Deutschland gab es bis zum Jahr 2000 die von der Fachgruppe CSCW der Gesellschaft für Informatik organisierte D-CSCW, die seit 2001 unter dem Dach der Tagungen Mensch & Computer sowie Wirtschaftsinformatik weiter lebt. Siehe hierzu auch (Gruden & Poltrock 2012).

Literatur

Bowers, J.; Benford, S. D. (eds.) (1991): Studies in Computer-Supported Cooperative Work: Theory, Practice, and Design - Human Factors in Information Technology, Amsterdam: Elsevier Science. 

Grudin, J.; Poltrock, S. (2012): CSCW - Computer Supported Cooperative Work. In: Soegaard, M.; Dam, R. F. (eds.). "Encyclopedia of Human-Computer Interaction". Aarhus, Denmark: The Interaction-Design.org Foundation. Available online at http://www.interaction-design.org/encyclopedia/cscw_computer_supported_cooperative_work.html

Koch, M.; Gross, T. (2006): Computer-Supported Cooperative Work - Concepts and Trends. In: Proc. Conf. of the Association Information And Management (AIM), Lecture Notes in Informatics (LNI) P-92, Bonn: Koellen Verlag. 

Malone, T. W.; Crowston, K. (1992): Towards an Interdisciplinary Theory of Coordination. Technical Report CSS TR#120, Cambridge: Center for Coordination Science, Sloan School of Management, Massachusets Institut of Technology. 

Mumford, E. (2000): A Socio-technical Approach to Systems Design. Requirements Engineering 5, pp. 125-133.

 

Autor


 

Univ.-Prof. Dr. Michael Koch, Universität der Bundeswehr München, Fakultät für Informatik, Forschungsgruppe Kooperationssysteme, Werner-Heisenberg-Weg 39, 85577 Neubiberg

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Zuletzt bearbeitet: 04.11.2012 19:51
Letzter Abruf: 23.11.2017 15:37
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