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Offshoring

Die Verlagerung von betrieblichen Aufgaben oder Teilaufgaben aus am heimischen Standort ausgeführten Funktionen oder Prozessen in andere, überwiegend weit entfernte Länder wird als Offshoring bezeichnet. Der Begriff wurde etwa um die Jahrtausendwende populär und wird hauptsächlich auf IT-gestützte Aufgaben bezogen.

Entstehung

Offshoring bezeichnet die Verlagerung von betrieblichen Aufgaben von heimischen Standort aus in andere Länder bzw. Kontinente. Da das Phänomen in den USA entstand und dort fast alle Länder "off shore" (d.h. weg vom eigenen Ufer) sind, war es naheliegend, die Arbeitsverlagerung Offshoring zu nennen. In Europa setzte der Trend zum Offshoring wesentlich später ein und erreichte auch nicht das gleiche Ausmaß wie in den USA.

Der Begriff Offshoring wurde vor allem im Zusammenhang mit Aufgaben der Informationstechnik um die Jahrtausendwende populär. Aufgrund von Kostenvorteilen in Dritte-Welt-Ländern einerseits und verschärften Einreisebeschränkungen – auch für ausländische Fachkräfte, die zuvor zur Arbeit in die USA migrierten – andererseits wurde nun der umgekehrte Weg eingeschlagen. Das heißt, die Arbeit wurde an entfernte Standorte gebracht, wo die Kosten niedriger und qualifizierte Fachkräfte verfügbar waren.

Enabler

Als "Enabler" für das Offshoring von IT-Tätigkeiten werden insbesondere breitbandige Netze und leistungsfähige Kommunikationstechnologien angesehen. Sie ermöglichen es, computergestützte Aufgaben oder Teilaufgaben in betrieblichen Funktionen bzw. Prozessen ohne zeitliche Verzögerung an beliebige Orte der Welt zur Aufgabenerfüllung zu transportieren. Der physische Ort der Ausführung spielt dann keine Rolle mehr.

Der Pulitzer-Preisträger Thomas L. Friedman prägte für das digitale Zusammenwachsen der Welt den vielzitierten Ausspruch "The World is Flat" [Friedman 2007]. In seinem gleichnamigen Bestseller identifiziert Friedman neben der Netzwerktechnologie eine Reihe weiterer "Enabler" für Offshoring, die er selbst als "Flatteners" bezeichnet (Faktoren, die zur IT-gestützten Globalisierung beitragen).

Offshoring-Länder

Bevorzugte Offshore-Standorte im IT-Bereich sind Indien und China, gefolgt von Ländern wie den Philippinen, Malaysia, Israel und Irland [Aspray et al. 2006, S. 56]. Darüber hinaus gibt es regional unterschiedliche Offshoring-Präferenzen. Aus den USA wird z.B. häufig Arbeit in lateinamerikanische Länder wie Mexiko und Brasilien verlagert, während in Mittel- und Westeuropa Russland und osteuropäische Länder bevorzugt werden (sog. Nearshoring).

Outsourcing

Offshoring steht häufig in Zusammenhang mit Outsourcing, ist aber nicht das selbe. Man spricht von Offshore-Outsourcing, wenn ein Unternehmen bisher am heimischen Standort ausgeführte betriebliche Aufgaben, Funktionen oder Prozesse an ein anderes Unternehmen im Ausland abgibt.

Eine andere Form von Offshoring liegt dagegen vor, wenn das Unternehmen eine Zweigniederlassung oder Tochtergesellschaft im Ausland gründet (im Englischen als "Captive Center" bezeichnet). Die Aufgaben bleiben damit im eigenen Unternehmen [Kurbel 2008, S. 49 f.].

Literatur

Aspray, W.; Mayadas, F.; Vardi, M.Y. (Eds.): Globalization and Offshoring of Software. A Report of the ACM Job Migration Task Force. ACM 0001-0782/06/0200. New York : Association for Computing Machinery 2006 (Online-Version: http://www.acm.org/globalizationreport, Abruf 18.9.2013).

Friedman, T.L.: The World is Flat. The Globalized World in the Twenty-First Century. Second Edition. London : Penguin Books 2007.

Kurbel, K.E.: The Making of Information Systems. Software Engineering and Management in a Globalized World. Berlin : Springer 2008.

Autor


 

Prof. Dr. Karl Kurbel, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Große Scharrnstr. 59, 15230 Frankfurt (Oder)

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Zuletzt bearbeitet: 12.12.2016 13:46
Letzter Abruf: 23.11.2017 15:38
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